Bild-Zeitung
Abt. Leserbriefe
Zu Artikel: Der umstrittene Lifestyle des Linken-Chefs Klaus Ernst
in der Ausgabe vom 30.7.2010
Wasser predigen und Wein trinken
Als Mitglied der Partei „Die Linke“ habe ich trotz meines nicht gerade üppigen Einkommens aus Idealismus und sozialem Denken enorme Zeit aufgewendet und von meinem Einkommen entsprechende Finanzleistungen erbracht. Mein Glaube war, dass unsere Partei und ihre Führungsriege aus Überzeugung und Idealismus unsere Partei führt und aufbaut.
Es ist daher für mich völlig unverständlich, dass Klaus Ernst, den ich persönlich kenne und dessen Parteislogan „Reichtum für Alle“ ich voll unterstützte, dies nicht auf uns Parteimitglieder und die Bürger unseres Landes bezog. Offenbar meinte er damit nur sich selbst. Wer unbedingt € 17.000, also fast 35.000 DM, für sich haben muss und - um das zu erreichen - auch noch meine sauer verdienten Beiträge dazu braucht, sollte die Worte sozial und Sozialismus - und erst recht Idealismus – nicht mehr in den Mund nehmen.
Das alles erinnert mich an die Bonzen meiner früheren sozialistischen Heimat, der DDR. Dort wurde uns schon in der Schule gepredigt, im Arbeiter und Bauernstaat seien alle gleich. Die Wahrheit war: unsere SED-Bonzen lebten in Saus und Braus und führten in Wandsleben ein Leben im Luxus, der den westlichen Ländern in nichts nachstand.
Durch das Handeln von Klaus Ernst und anderen raffgierigen Führungskräften unserer Partei musste ich jetzt eine weitere schwere Enttäuschung zum Thema „Propheten des Sozialismus“ hinnehmen. Mit Genossen wie Klaus Ernst und Co. kann ich mich nicht mehr solidarisieren.
Jetzt glaube ich die Vorwürfe, Klaus Ernst habe unberechtigt Flüge zu Lasten des Steuerzahlers abgerechnet. Das für ihn wichtige Statussymbol, einen Porsche zu besitzen und sich auf seiner Alm von seinen inzwischen enttäuschten Anhängern zurückziehen zu können, neide ich ihm dabei nicht.
Deshalb stelle ich meine umfangreiche Arbeit in meiner Heimatstadt Ingolstadt ein. Ich bereite, wie viele andere Kollegen - um das Wort Genossen zu vermeiden -, meinen Austritt aus der Partei Die Linke vor.
Gez. Hans Kessler